Ist B.A.R.F. teurer?

Das Tierwohl ist in „aller Munde“.
Zunehmend mehr Hundehalter entscheiden sich aus Überzeugung für einen Lebensstil unter Verzicht auf tierische Produkte. Dennoch liegt ihnen eine artgerechte Ernährung ihrer Hunde am Herzen. 

Artgerechte Ernährung für den eigenen Hund sollte jedoch nicht auf dem Rücken der Tiere ausgetragen werden, die der Fütterung des Hundes zum Opfer fallen.

Ich selbst füttere meinen Hund roh. Ich kaufe wann immer möglich Fleisch von Weidetieren und Tieren aus Freilandhaltung.  

Wenn ich unterwegs bin und ausnahmeweise kein Frostfleisch mitnehmen kann, greife ich zu Nassfutter. Aber das suche ich sehr gezielt aus. 

Was mir nicht in den Futternapf kommt sind z.B. synthetische Zusatzstoffe wie Aromen, Konservierungsmittel, Bindemittel, künstliche Vitaminzusätze, Hülsenfrüchte, Zucker oder stark bindegewebshaltige Futterbestandteile.
Ich versuche mein Nassfutter so auszuwählen, dass die tierischen Bestandteile in etwa der normalen Rohfutterzusammensetzung meiner Hündin entsprechen.
Zudem achte ich auf eine übersichtliche Anzahl von Futterbestandteilen.

Ich höre und lese immer mal wieder, dass Hundehaltern die Rohfütterung zu teuer wird und sie deshalb (wieder) auf industriell gefertigtes Futter umsteigen. 

Preis = Qualität?

Aber ist da wirklich was dran?
Und lassen sich Rückschlüsse vom Preis des Futters auf das Tierwohls der jeweiligen Futtertiere ziehen?

Ich habe für meinen Hund folgende Berechnung aufgestellt: 

  • Was bezahle ich tatsächlich täglich für Rohfutter? 
  • Was kostet vergleichsweise ein Fertigfutter, was ich meinem Hund gelegentlich füttere?
  • Was würde mich ein Fertigfutter kosten, welches zumindest zum mittleren Preissegment gehört?

Mein Hund wiegt rund 37 kg. Sie bekommt täglich ca. 600 g tierisches Futter (Fleisch, Fett, Innereien, Knochen) und 150 g pflanzliches Futter plus ein paar Leckerchen und ab und zu mal was zum Kauen.

Ich kaufe das Futterfleisch nicht „billig“ sondern preiswert, d. h. die Ware ist ihren Preis wert.

Ich verfütterte überwiegend Muskelfleisch von Lamm, Kaninchen und Ziege (per se bereits nicht die „günstigsten“ Fleischsorten), Fisch (am liebsten die selber geangelten frischen Forellen), Fett, verschiedene Innereien wie Leber, Niere, Milz, Herz, Zunge, einen geringen Anteil Lunge sowie gewolfte Knochen.

Ich füttere Pansen nur ganz selten als „Highlight“, d. h. alle paar Monate mal, und Dinge wie Geschlinge, Kopffleisch, Schlund- und Maulfleisch, Lefzen, Luftröhre usw. niemals bewusst.
Du kannst also zurecht sagen, dass meine Hündin ziemlich verwöhnt wird und definitiv keine „Billigware“ erhält, mit der ich die Futterkosten enorm drücken könnte. 

Ich kaufe keine „Fertigmixe“. Ich will wissen, sehen und erkennen können, womit ich meine Hündin füttere. Das ist bei Fertigmixen in aller Regel nicht der Fall. 

Die o. g. tierischen Futterbestandteile, die bei mir üblicherweise im Napf landen, haben einen Preis von durchschnittlich ca. 6,00 EUR pro Kilo.

Pro Tag kosten mich die tierischen Futterbestandteile damit zwischen 3,50 EUR- 4,00 EUR, je nachdem, wie die Zusammenstellung ausfällt.

Dazu kommen Obst und Gemüse und noch einige Ergänzungen wie z.B. Seealgen, Kräuter, Nüsse und Samen, gute Öle.
Die Futterergänzungen kosten mich, auch wenn in der Anschaffung jeweils nicht ganz günstig, letztlich CENT-Beträge am Tag.
An Obst und Gemüse erhält meine Hündin die Sachen, die ich für uns Menschen im Haushalt ohnehin kaufe oder sogar im eigenen Garten habe. 

5 EUR pro Tag

Ich rechne sehr großzügig und lege fest: mein Futter kostet 5,00 EUR/ Tag bzw. 150,00 EUR/ Monat.

Findest du das teuer für qualitativ hochwertiges Hundefutter?

Vielleicht hast du in Büchern oder im Internet bereits Preisangaben von 1,50 EUR- 3,00 EUR pro kg Fleisch gefunden. Es soll Zeiten gegeben haben, da lag Futterfleisch wohl unter 1 EUR pro kg.

Aber im Ernst:  Wenn ich in der heutigen Zeit für ein Kilo Fleisch nicht bereit bin einen angemessenen Preis zu zahlen, wie wichtig kann mir Tierwohl allgemein dann sein oder interessiert mich nur noch mein Freund, Begleiter, Trostspender, Seelengefährte usw.?
Trage ich nicht auch Verantwortung für die Lebewesen, die ihr Leben lassen um das meines Hundes zu erhalten?  

Natürlich gibt es Hundehalter, die ihren Hund artgerecht ernähren möchten aber finanziell trotz Sparen nicht dazu in der Lage sind, einen Preis von 6,00 EUR für ein Kilo Fleisch zu zahlen, selbst wenn sie es gern würden. Und das ist ok! 
Aber jeder der finanziell einigermaßen dazu in der Lage ist, sollte sich der Verantwortung auch gegenüber den Tieren, die das Futter für den geliebten Hund liefern, stellen.

Dosen für den Notfall

Aktuell habe ich für den Notfall oder wenn es schnell gehen muss eine Dose, die z.B. folgende Inhaltsstoffe hat:

Hühnerfleisch, Thunfisch, Hühnerherzen, Atlantikhering, Kalmar, Hühnerhälse, Hühnerleber (der tierische Anteil der Dose liegt insgesamt bei 80%), dazu kommen Süßkartoffel, Spinat, Papaya, Cranberries, Kürbiskerne, Eierschalenmehl, ein paar Kräuter und (unnötigerweise) Yuccaextrakt, was auch als Schmerzmittel eingesetzt wird und deshalb nicht für eine langfristige Fütterung geeignet ist.

Diese Dose hat einen Preis von ca. 7,50 EUR pro kg Futter, wenn ich mich für die preisgünstigere Dosengröße entscheide.

Was sagt das grob über die Kosten der verarbeiteten tierischen Bestandteile aus?
Ganz einfach: sie kosten pro Kilo ebenfalls ca. 6,00 EUR (7,50 EUR x 80% der Inhaltsstoffe).
Das macht dieses Futter für mich auch recht sympathisch (auch wenn überfischter Thunfisch enthalten ist… aber auch ich bin nicht perfekt ) . 

Kilopreis nicht aussagekräftig

Wenn ich nun aber feststellen will, was mich dieses Futter pro Tag kostet, verändert sich die Rechnung gegenüber dem Rohfutter erheblich.  
Denn hier liege ich nicht bei insgesamt 750 g Futter am Tag sondern meine Hündin würde bei ihrem Gewicht ca. 1.300 g des Futters täglich benötigen.
Das ist eine ganz durchschnittliche Futtermenge für ein Nassfutter bezogen auf dieses Körpergewicht.

D. h. dieses Dosenfutter würde mich täglich ca. 10,00 EUR kosten bzw. 300,00 EUR/ Monat.

Ich kann im Gegensatz zum Rohfutter keine Aussage dazu treffen, welche Lebensqualität die verarbeiteten Tiere letztlich hatten. Ich hoffe, dass die 6,00 EUR pro kg sich auch bei diesem Futter widerspiegeln.

Eine recht unangenehme Überraschung habe ich bei der fiktiven Berechnung eines Dosenfutters erlebt, was ebenfalls mindestens im mittleren Preissegment angesiedelt ist und von vielen Hundehaltern auch gern gekauft wird. 

Dieses Futter hat u.a. folgende Inhaltsstoffe:

Lachsfilet, Zucchini, Kürbis, Kartoffel, Pfirsich, Hirse, verschiedene Kräuter, Öl, Bio- Eierschalenpulver, Leinsamen, Seealge.

Liest sich super, oder? Wenn ich mich auch hier wieder für die preisgünstigere Dosengröße entscheiden würde, würde mich das Futter 5,36 EUR pro kg kosten.

Meine Hündin würde anhand der Herstellerempfehlung ebenfalls ca. 1.300 g täglich von diesem Futter benötigen, d. h. auch hier knapp 7,00 EUR pro Tag bzw. ca. 210,00 EUR im Monat. 

Filet für 3 EUR/Kg?

Nun kommt das ganz große ABER, was dieses Futter für mich persönlich disqualifiziert hat:

Der Anteil an Lachsfilet beträgt 56%. Bei einem Preis von 5,36 EUR pro kg Futter bleiben für den Lachsanteil also erstaunliche 3,00 EUR pro kg.

Wie bitte geht das denn?!
Zumal laut Herstellerangabe alle Rohstoffe 100% Lebensmittelqualität entsprechen.

Und im Umkehrschluss zahle ich 2,36 EUR- also unwesentlich weniger als das Fleisch dieser Dose „wert“ ist- für ein bisschen Gemüse, die Metalldose mit hübschem Etikett und natürlich eine gelungene Vermarktung.

Aufzucht, Pflege, Fütterung, Verarbeitung und Transport, das Leben eines Lachses, ist ungefähr so viel wert wie ein paar leere Dosen und ein bisschen Gemüse?

Leider sieht es mit anderen Sorten dieses Futter nicht wesentlich besser aus:

„Kaninchen“ mit einem tierischen Anteil von 62% liegt bei einem Fleischpreis von 3,48 EUR pro kg (Preis pro kg Futter= 5,61 EUR in der preisgünstigeren Dosengröße)

„Wild“ mit einem tierischen Anteil von 57% liegt bei einem Fleischpreis von 3,20 EUR pro kg usw. 

Was ist nun teurer?

Aus meinem Vergleich habe ich für mich persönlich drei wichtige Erkenntnisse  gewonnen:

1. Rohfütterung ist tatsächlich, selbst wenn man hochwertiges Futterfleisch kauft, günstiger als „vertretbares“ Nassfutter.
Heißt, dass ein Wechsel zurück zu Fertigfutter in den wenigsten Fällen finanziell von Vorteil sein dürfte, es sei denn, ich steige die Qualitätsleiter deutlich hinab. 

2. Auch Dosenfutter im mittleren bis höheren Preissegment, was Verbrauchern hochwertige Rohstoffe suggeriert, hat offensichtlich seine dunklen Seiten. Und diese liegen vermutlich häufiger als der verantwortungsbewusste Hundehalter wahrhaben will, in den zu vermutenden Lebensumständen der Tiere, die dem Hund das Futter liefern.

3. Selbst hochpreisiges Dosenfutter ist kein Garant für gute Fleischqualität. 

Was du tun kannst:

  • Lies Etiketten 
  • Lerne Inhaltsstoffe zu verstehen
  • Hinterfrage Preisgestaltungen
  • check
    Frag dich, was dir Futter „wert“ ist (oder sein sollte)

Mein Fazit: 
Rohfütterung mit Blick auf eine gute Fleischherkunft ist selten teurer als Fertigfuttermittel.
Ein Vergleich des Kilopreises von Fertigfutter und B.A.R.F. ist nicht aussagekräftig, da die Bedarfsmengen deutlich variieren.

Auch mit einem kleinen Budget ist eine Rohfütterung machbar​.